Babylon

von unserem Korrespondenten Arthur Baron von Aktaion

 

»Babylon! Die Ware des Goldes und Silbers und Edelgesteins und die Perlen und köstliche Leinwand und Purpur und Seide und Scharlach und allerlei wohlriechendes Holz und allerlei Gefäß von Elfenbein und allerlei Gefäß von köstlichem Holz und von Erz und von Eisen und von Marmor« (Offb 18,12-13)

 

Diese opulente Herrlichkeit war den biblischen Apokalyptikern nicht ganz geheuer. Aus Sorge, so etwas könnte Schule machen, entsandten sie einen übellaunigen Engel und ließen ihn einen gewaltigen Mühlstein in die Gewässer des Euphrats schleudern – die ganze Pracht Babylons wurde von einer fürchterlichen Sturmflut hinweg gespült. Da war es dahin, das schöne Leben. Bonjour Tristesse. Und ganz gehörig dahin war auch die Laune der genussgewöhnten Babylonier, die den ganzen Schlamassel, den der mühlsteinbewehrte Engel da angerichtet hatte, verständlicherweise bitter beklagten: »Verwüstet solcher Reichtum... Weh, weh, die große Stadt« (Offb 18,16-17)

Wie rettet man die Schönheit babylonischer Opulenz? Eine gute Idee hatte im ausgehenden 19. Jahrhundert der Architekt und Bauforscher Johannes Gustav Eduard Robert Koldewey aus Blankenburg im Harz. Im Vorwort zu seinem Grabungsbericht, der als sechste Sendschrift der deutschen Orient-Gesellschaft im Jahre 1913 unter dem Titel »Das wieder erstehende Babylon« in Leipzig erschienen ist, schreibt er über eine Eingebung an der »Ostseite des Kasr, nördlich vom Ischtar-Tor«:

 

»Hier hatte ich bei meinem ersten Aufenthalt in Babylon, am 3. und 4. Juni 1887, und bei meinem zweiten Besuche, am 29. bis 31. Dezember 1897, viele Bruchstücke emaillierter Ziegel-Reliefs gesehen, von denen ich einige mit nach Berlin nahm. Die eigenartige Schönheit und die kunsthistorische Wichtigkeit dieser Stücke, die der damalige Generaldirektor der Königlichen Museen, Exz. R. Schöne, richtig bewertete, trugen mit zu dem Entschlusse bei, die Hauptstadt des babylonischen Weltreiches auszugraben.«

 

Besichtigt werden können die Funde dieses archäologischen Ausgräbers in der Babylon-Sammlung des Pergamonmuseums in Berlin. Neben dem Ischtar-Tor selbst »tausende von archäologischen Objekten aus drei Jahrtausenden, darunter mit Keilschrift beschriebene Tontafeln, Alltagskeramik und Schmuck sowie die zugehörige Grabungs- und Sammlungsdokumentation«, wie die Website des Museums eindrucksvoll aufzählt.

 

Davon aber darf man nichts mit nach Hause nehmen. Wie rettet man die Schönheit babylonischer Opulenz also richtig?

 

Indem man sich in die Welt der Kühn’schen Keramik begibt. Dort findet das Babylonische eine angemessene Heimstatt - in Körben, Schalen und Käfigen, die mit ihrer barocken Formenfreude und ihren prächtigen Glasuren aus echtem Gold, Silber oder Platin die Devise ausgeben:

 

Mehr Babylon wagen!